Michael Märzheuser

Lippenbekenntnisse oder authentische Haltung?

Worte. Werte. Taten.

Es ist heute en vogue, „Nachhaltigkeit“ und „werteorientiertes Handeln“ als Eckpfeiler seiner Ethik – privat wie geschäftlich – zu bezeichnen. Das liest sich gut in der Firmenphilosophie. Ist letztlich aber nur so gut, wie es auch sicht- und spürbar gelebt wird. Erst wer aus Worten Taten macht und sich nicht nur verbal an Werte angeschmiegt (welche überhaupt?), sondern diese auch einhält, pflegt und fördert, wird glaubhaft.

Ihrem Unternehmensmotto „Wir bringen Wirtschaft, Politik und Medien an einen Tisch“ getreu, lädt die Märzheuser Kommunikationsberatung GmbH beim „Hilton Talk“ seit 13 Jahren in München regelmäßig hochkarätige Gäste zu gesellschaftlich relevanten, oft auch brisanten, Themen. Dabei sind es vor allem die von Geschäftsführer und Moderator Michael Märzheuser formulierten Fragen, die – unter Oberfläche und Fassade gehend – die Qualität und Substanz dieser Gesprächsrunden prägen. Am 15.11. lautete das Talk-Thema „Was am Ende zählt: Werte. Worte. Taten“ – ein guter Anlass für ein paar Fragen.

Seeleben: Wo driften aus Ihrer Erfahrung Wort und Tat in unserer Gesellschaft am weitesten auseinander?

M. Märzheuser: In der Politik und Finanzwelt.

Seeleben: Kann man – ob als Politiker oder Unternehmer – verspieltes Vertrauen zurückgewinnen?

M. Märzheuser: Vertrauen kommt von trauen. Ohne Rückgrat, Ehrlichkeit und Mut wird sich nichts verändern.

Seeleben: Hat die Zunahme „entmenschlichter“ Kommunikation (SMS, sprachgesteuerte Systeme etc.) es leichter gemacht, sich aus Verantwortung und Versprechen davonzustehlen?

M. Märzheuser: Ja, leider! Nichts kann so banal und unverfänglich sein wie die Kommunikation im digitalen Netz.

Seeleben: Ist die wachsende Zahl an Compliance-Beauftragten in Unternehmen ein guter Weg zur Einhaltung ethischer Regeln oder eine Art moderner Ablasshandel?

M. Märzheuser: Es werden Milliarden für ein gedeihliches Miteinander in Unternehmen ausgegeben. Wenn es aber an authentisch gelebten Werten fehlt, nützt das beste Regelwerk nichts und die Korruption blüht weiter. Es fehlt an wahrhaftigen moralischen Vorbildern in allen Bereichen der Gesellschaft.

Seeleben: Welche Aufgabe kommt beim Bemühen, die Wort & Tat-Einheit in der Gesellschaft zu unterstützen, den Medien zu?

M. Märzheuser: Die Medien haben die wichtige Aufgabe, Menschen umfassend die Welt zu erklären und Missstände aufzudecken. Auch sie müssen sich an Worten, Werten und Taten messen lassen. Wenn es Ihnen gelingen würde, wahrhaftig zu bleiben und die Lüge zu entlarven, wären wir ein gutes Stück weiter hin zu einer lebenswerteren Welt. An den Taten erkennt man die Wahrheit.

Seeleben: Was lesen Sie aus Ihren Begegnungen mit Politikern, Unternehmern und Medienmenschen heraus: digitalisieren wir menschliche Werte im Namen von Preis und Effizienz auf lange Sicht weg oder wird Nachhaltigkeit tatsächlich gelebtes Selbstverständnis?

M. Märzheuser: Die Kommunikation im Netz birgt Chancen, aber auch große Risiken wie Fake News, Manipulation und Datenspionage. Die Digitalisierung stellt eine Distorsion der Kommunikation dar: Nicht mehr analog wird vornehmlich kommuniziert, sondern auf unzählig vielen digitalen Kanälen. Daher ist es für mich unverständlich, warum es immer noch nicht das Pflichtfach „Medienkunde“ an Schulen ‒ am besten schon ab dem Kindergarten ‒ gibt. Denn schon heute beherrscht die Technik immer mehr den Menschen und nicht, wie seit Jahrtausenden zuvor, die Menschheit die Technik. Künstliche Intelligenz, so scheint es, wird früher oder später den Menschen wegrationalisieren, es sei denn wir erkennen noch rechtzeitig was die wesentlichen Werte unseres Lebens sein können und lange Zeit auch waren: Wachsamkeit, Mut und Nächstenliebe.


Michael Märzheuser: Zur Person

Michael Märzheuser ist seit über 30 Jahren – als Journalist, Pressesprecher und Berater – in der Medienwelt zuhause, arbeitet in München und lebt in Berg. Schon sein Studium (Politische Wissenschaft, Theaterwissenschaft, Amerikanische Kulturgeschichte) absolvierte er in der Überzeugung, dass die mediale Inszenierung und Dramaturgie Kommunikation künftig global verändern würde. Später war er u.a. fünf Jahre als Pressereferent im Deutschen Bundestag in Bonn tätig. Seit 1993 berät Michael Märzheuser zahlreiche Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik im Bereich Kommunikation.

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