Starnberger Seeleben

Seegeflüster März 2020 II:

... einmal um die ganze Welt ...

Als das Virus um die Erde wanderte
und durch die Lande sich mäanderte,
hörte man Stimmen, laut und leise,
die sich äußerten - so dumm, wie weise …

Im Supermarkt lächelte das Klopapier
„Covid, mein Schatz, ich danke dir;
Jahrzehnte war ich für den Arsch, nur „wisch und weg“ -
und jetzt: so Trend, so „in“, so cooler „heißer Dreck“!“

Im globalen Song-Contest der Viren
hörte man Juroren hell skandieren:
„selten sah’n wir solch Talent;
wie das leuchtet, wie das brennt!
Das reißt mit, das steckt an -
wie nur ein echter Star das kann!“

Mancher Planet schickte aus der Ferne Grüße:
„Liebe Erde, Schwesterchen, du Süße,
wir sorgten uns schon sehr zuletzt,
man hatte dir so zugesetzt.
Wie Klimawandel und Natur so lagen,
fürchteten wir schon Organ-Totalversagen …
Jetzt nimmt Covid ein bisschen Tempo raus -
werde gesund, ruh’ dich mal richtig aus!“

Doch natürlich, wer ist schon ohne Feinde? -
gab es auch eine Kritikergemeinde.
Die lobte nicht des Virus Effizienz und Kraft,
sondern sah die Menschlichkeit in Beugehaft:
„Wie bei Trump kommt erst das „ICH“, dann der Rest
und täglich gibt’s ein großes Fake News-Fest.“

„Stopp“, rief da Covid himself, „so stimmt das nicht!
Bei aller Ehr’: ich wär ein ziemlich kleines Licht
ohne den Faktor Mensch. Ganz ehrlich
wär’s für mich doch sehr beschwerlich,
Region um Region so mühelos zu annektier’n
würden mir die Menschen nicht selber assistier’n.
Nur wenn sie Vorsicht, Herz und Logik nicht in Einklang bringen
kann ungebremst mein Siegeslied erklingen.

Und, liebe Menschen, Hand aufs Herz -
zu meiner Freude, Eurem Schmerz:
In meiner Grenzenlosigkeit und Gier
bin ich doch ganz genau wie Ihr.“

Mehr Seegeflüster →