Starnberger Seeleben

Seegeflüster November 2020:

Buy local - good season, good reason

Ihn hält auch Corona nicht auf: der Advent kommt! Selbst in diesem „Masken-Jahr“, in dem wir irgendwie immer mit einem Fuß im Lockdown stecken, tritt er mit der Mission an, weihnachtlicher Vorfreude den roten Teppich auszurollen: Freude auf ein Fest für Seele und Sinne. Nähe ist im Kurs rasant gestiegen und tatsächlich liegt das Gute ganz nah.

Man kann das sehen, wenn man durch Starnbergs abendliche Innenstadt stromert und sich eine Prise Weihnachtszauber gönnt. Die Straßen liegen still da und bereiten in der Dämmerung den adventlich beleuchteten Schaufenstern eine Bühne, als wären sie eigens für das flanierende Publikum inszeniert worden. Persönliche, private Magie, für alle, die es sehen und schätzen wollen. „Buy local“, in den letzten Jahren so oft als politisch korrekte Aufforderung gegen die Übermacht des Online-Business ausgesprochen, verliert den mahnenden Zeigefinger. Buy local wird zur Zauberformel für die Lust und das Vergnügen, das Shopping in den Läden der Nähe ausmacht. Schon allein, weil die Läden hier am See zwei Talente drauf haben, die große „Onliner" so nicht bieten können:

Übersetzer für die Sprache der Wünsche

Weil fast überall die Ladenbesitzer selbst im Laden stehen, findet jede noch so spezifische Frage eine direkte Antwort. Ohne Umwege, mit Lächeln. Viele sind außerdem echte Übersetzer, sie verstehen die Sprache der Wünsche. Zwei kleine Beispiele aus dem Leben und der Erfahrung: Im Smoke & Whisky kann Fred Heinz Schober es perfekt in die passende Flüssigkeit übersetzen, wenn ich versuche zu beschreiben, was der Kennergaumen, den ich beschenken will, liebt: „Soll ungefähr so schmecken, wie sich’s anfühlt, wenn man an der schottischen Küste steht, man den Wind und das Meer riecht, die Gischt unter einem tobt, der Horizont unterm Nebel liegt und ein bisschen Rauch von irgendwoher in der Luft liegt.“ Auch wenige Meter weiter, in der Teeoase, kann ich auf eine Expertin mit „Übersetzer-Gen“ vertrauen: Brigitte Emmer kennt hundertprozentig die Geschenk-Antwort, wenn ich für eine leidenschaftliche Teetrinkerin eine Sorte suche, die „aromatisch, würzig aber nicht zu rass ist - gerne mit fruchtiger Note und idealerweise Bio“. Beim Onlineeinkauf bleibt mir nur der Blindflug und im Blödfall das Retourenprocedere (auch noch schlecht fürs Umweltgewissen) - im persönlichen Gespräch ist mehr individuelles Fine Tuning möglich und fast überall heißt es mittlerweile auf die Frage „liefern Sie auch?“ ohnehin längst „Ja, gerne“.

„In Life“ ist sinnlicher als „on Line“

Jeder Gern-Schenker genießt den Spaß beim Aussuchen immer auch als ein Geschenk an sich selbst. Und dabei bietet „in Life“ (anders als „on Line“) das Erlebnis des räumlichen Dumherums, inklusive O-Tönen und Atmosphäre. Und ganz nebenbei entdeckt man Dinge, die wunderbar auf den eigenen Wunschzettel passen. Auch dafür gibt’s natürlich Beispiele aus dem echten Leben und der aktuellen ersten Geschenke-Shopping-Runde. Bei Louisa’s wollte ich eigentlich nur die superflauschigen Kuschelsocken für eine Lieblingsfreundin holen. Kaum dort, flüstert mir eine cremefarbige Sweathose zu, dass sie gerne bereit wäre, meine durch das strapaziöse „Home-Frühjahr“ langsam aus der Form geratene Jogginghose zu ersetzen. Später, im PREUSSEN schleiche ich dann um die Baldinini Boots herum und bei fine little things in Pöcking finde ich viele fine little (und bigger) things, von denen ich schon jetzt weiß: damit lande ich Freuden-Volltreffer. Genau wie im Spielhaus, wo ich immer wieder staune, dass hier wirklich jeder Millimeter voller Spiel steckt. Hier fällt mir jedes Mal der alte Nina Hagen-Song ein: „Alles so schön bunt hier, ich kann mich gar nicht entscheiden“. Genau darum ist life für mich so wichtig: Nico(la Eggendorfer Schropp) navigiert sich und mich mit schlafwandlerischer Sicherheit zu den Dingen, die ich für eine spielsüchtige Familie suche, die fast schon alle Brettspiele kennt und sich für den langen Winter garantiert über Nachschub freut sowie für einen Zweitklässler, der als Gegengewicht zum schulischen Corona Stopp-and-Go einen Kanal für seinen Forscher- und Bewegungshunger braucht.

Unbestritten hat das gesamte Online-Geschehen seine Wichtigkeit und bequemen Reize, aber gerade dann, wenn die Welt, in der wir uns vernünftigerweise bewegen sollten, zusammenschrumpft, tut es gut zu sehen, wie groß und vielfältig unsere vermeintlich kleine regionale Shopping-Welt ist. Denn natürlich gibt es darin noch viel mehr als die erwähnten Beispiele. Vor der „Life-Tour“ können Sie übrigens auch hier schon mal in die Schaufenster der Region gucken: advent-am-see.de

Kleine Übersicht der schönen Läden am See →

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