Starnberger Seeleben

Tugend: Was gilt heute?

Wir haben die drei KandidatInnen gefragt, die sich 2020 als BürgermeisterIn für Starnberg zur Wahl aufstellen: Welche Tugend bringen Sie in Ihrem Koffer mit, falls Sie 2020 als BürgermeisterIn ins Rathaus einziehen – und warum ist das gut für Starnberg?

Wie fast alles, unterliegt auch die Vorstellung von Tugend  jeweils gängigen Strömungen. Ob Kardinals-, Ritter- oder christliche Tugenden, ob ethisch, moralisch oder philosophisch betrachtet – der Grundton bleibt gleich: als Tugend gilt eine vorbildliche, für wertvoll erachtete Charaktereigenschaft oder Haltung. Wo stehen wir, als Einzelne/r, als Gemeinschaft, als Region, was haben und pflegen wir und was fehlt uns noch?

Kerstin Täubner-Benicke, B90 / Die Grünen

Tugend: das Wort ist unmodern geworden. Dabei können Tugenden uns helfen, ein zufriedenes Leben zu führen und unsere Werte zu verwirklichen. Wenn man Tugenden für ein modernes Leben nennen will, dann würde ich darunter Widerstandsfähigkeit, Empathie, Hoffnung, Verantwortungsbewusstsein, Geduld, Mut und Humor fassen. Dies sind alles Fähigkeiten, die man auch in der täglichen politischen Arbeit braucht. Tugendhaft könnte auch sein, andere Menschen nicht mit den eigenen Ängsten zu ängstigen. Meine Tugend ist vielleicht, mir und anderen eingestehen zu können, dass wir ja alle nur Menschen sind, Fehler haben und machen, und trotzdem im Dialog zu versuchen, verantwortungsvolle, zukunftsfähige und machbare Lösungen für Mensch, Natur, Klima und unser Miteinander in Starnberg zu finden.

Patrick Janik, UWG

„Die Geduld ist meine Stärke, die Gelassenheit mein Schwert“ spricht der Dichter. Beide Eigenschaften betrachte ich als persönliche Stärken und sehe sie als unerlässliches Handwerkszeug für jede politische Tätigkeit an, auch für die des Bürgermeisters. Denn Demokratie kostet Zeit und Nerven. Entscheidungsfindungen sind langsam und kompliziert: Argumente wollen ausgetauscht werden, die Gegner müssen überzeugt werden und idealerweise hat man am Ende die Mehrheit für ein Projekt gewonnen. Ohne Geduld ist man hier aufgeschmissen. Ebenso ist ein gewisses Maß an Gelassenheit nötig. Gerade in Starnberg, wo unterschiedliche Meinungen bisweilen mit unnötiger Heftigkeit aufeinanderprallen, sollte sich ein Bürgermeister zurücknehmen können und mit ruhiger Hand auf einen Ausgleich hinarbeiten.


Redaktionelle Notiz
Alle KandidatInnen wurden im Juli 2019 persönlich per Mail und Brief von der Redaktion des Starnberger Seelebens um ihr Statement (in definiertem Umfang, mit Frist bis 30.8.19) gebeten. Die Antworten sind selbstverständlich ohne Änderung wiedergegeben. Trotz Fristverlängerung bis 3.9.19 lag das Statement von Eva John, Erste Bürgermeisterin der Stadt Starnberg, leider bis Redaktionsschluss nicht vor.