Von Voatsiperifery bis Zitronenmyrte: Wer auf der Suche nach außergewöhnlichen Gewürzen fürs Kochen ist, wird bei „Gewürze der Welt“ fündig. Was 2005 als Online-Shop begann, hat Gründerin Andrea Rolshausen zum Gewürz- und Feinkostparadies mit fünf Läden in Bayern, Salzburg und Münster gemacht. Im Interview spricht sie über Hintergründe, kulinarische Trends und was Gewürze der Welt ausmacht.
Vom kleinen Online-Shop zum Unternehmen mit fünf exzellent sortierten Läden an verschiedenen Standorten – wie geht so etwas?
Andrea Rolshausen: Das hat sich nacheinander Stück für Stück entwickelt. Am Anfang stand unser Online-Shop. Dessen Lager in der Weßlinger Garage war quasi der erste kleine Laden, dem dann der Hechendorfer Laden in der Bahnhofstraße folgte. In München haben wir 2015 im Ruffinihaus einen befristeten Vertrag bekommen. Ich erinnere mich noch gut an die lange Einkaufsnacht, bei der wir uns gefragt haben, ob wohl überhaupt jemand kommt, und wir dann in Nullkommanichts so gut wie ausverkauft waren. Nach dem Umbau des Ruffinihauses sind wir dann an etwas anderer Stelle im Haus wieder eingezogen und vor zwei Jahren dann in den größeren Laden am Eck, in dem wir diesem Jahr unser zehnjähriges Münchner Jubiläum gefeiert haben. Zwischendrin kamen die Läden in Nürnberg, Salzburg und Münster dazu. Und mit dem Hechendorfer Laden sind wir jetzt in die Inninger Straße umgezogen.
Wo ist in dieser 5-Laden-Welt Ihr Platz? Hauptsächlich in der Organisation oder stehen Sie auch noch selbst im Laden?
Andrea Rolshausen: Ich habe in allen Bereichen gearbeitet – von Lager bis Laden. Jetzt bin ich hauptsächlich hinter den Kulissen tätig – und wir haben sehr gute Shop-Manager in all unseren Läden.
Unterscheidet sich das Publikum an den 5 Standorten? Kauft man in Nürnberg anders ein als in Münster, München oder Salzburg?
Andrea Rolshausen: Im Großen und Ganzen nicht. In Nürnberg hat man sich vielleicht zunächst kostenbewusster gezeigt als in München. Den Unterschied machen eher wir selbst, weil wir an jedem Standort auch etwas typisch Regionales im Sortiment haben. Wie zum Beispiel den Haskapella-Essig in Nürnberg, das Obazdagwürz in München und in Salzburg das Salz aus dem Salzkammergut.
Hat sich denn insgesamt das Koch- und Einkaufsverhalten in den letzten Jahren verändert?
Andrea Rolshausen: Ja. Mehrere Entwicklungen zeichnen sich deutlich ab – zum einen geht die soziale Schere immer weiter auseinander, das schlägt sich auch im Einkaufsverhalten nieder. Zum anderen sind die Menschen bewusster geworden in Bezug auf Ernährung und Qualität. Außerdem geht der Trend immer weiter in Richtung vegetarische und vegane Küche. Spätestens Yotam Ottolenghi hat bewiesen, dass Fleisch nicht der alleinige Geschmacksträger für gutes Essen ist. Bulgur und Kichererbsen gehören heute selbstverständlicher zur Küche als früher, und das Interesse an Aromen und Gewürzen ist parallel dazu gewachsen.
Als Gewürzliebhaber kann man auf allen Wegen zu Ihnen kommen. Man kann online oder im Laden einkaufen, Sie auf Social Media finden oder auf Seminaren Gewürzwelten entdecken. Was spielt die größte Rolle?
Andrea Rolshausen: Der Fokus liegt bei uns ganz klar auf der Beratung. Welche Gewürze man aussucht, hängt von so vielen verschiedenen Faktoren ab, dass das direkte Gespräch immer am besten ist. Wir lieben es, zu beraten, und unsere Kunden schätzen das auch. Von unseren Ladenbesuchern sind etwa 60 % Stammkunden, und das gilt auch für den Online-Shop. Beides ergänzt sich natürlich gut – wenn man etwas nachkaufen will, geht das bequem online.
Gehen wir nochmal zu den Anfängen zurück – Gewürzhandel an sich ist nichts Neues. Was hat Sie gekickt, in dieses Feld einzusteigen? Was macht den Unterschied zu anderen?
Andrea Rolshausen: Vor 15 Jahren gab es in Deutschland eigentlich als Gewürzanbieter nur Fuchs. Als ich damals auf Madagaskar war, habe ich Gewürze in einer Weise erlebt, wie ich es noch nicht kannte. Pfeffer, Gewürznelken, Zimt – alles hat dort eine Intensität, an die so schnell nichts rankommt. Und das hat mich nicht mehr losgelassen. Bei einer Gewürzmischung will ich die einzelnen Zutaten erschmecken können – für ein wirkliches Geschmackserlebnis. Also machen wir alles selbst. Wir importieren direkt, d. h. wir kaufen ohne Zwischenhändler und wissen genau, woher jedes Gewürz kommt. Wir rösten die Zutaten an, entwickeln eigene Rezepturen und stellen unsere Mischungen selbst her. Bei uns kommt nichts in den Laden, was uns nicht selbst schmeckt. Der Geschmack ist das A & O, um das sich bei uns alles dreht.
Mittlerweile ist die Welt nahezu bis in jeden Winkel ausgekundschaftet – gibt es noch Neues? Wohin entwickelt sich die Gewürzwelt?
Andrea Rolshausen: Ich bin immer neugierig und offen und freue mich unfassbar, wenn ich ein neues Produkt entdecke, das mich begeistert. Wohin die Entwicklung beim Kochen geht?
Das Fermentieren, denke ich, wird noch mehr an Bedeutung gewinnen, und ich glaube, der Trend führt zurück zum Bodenständigen – zu nachhaltiger, regionaler Qualität und Frische.
„Gewürze der Welt“ gibt es mittlerweile seit 20 Jahren – was waren die schwierigsten, was die erfreulichsten Momente?
Andrea Rolshausen: Puh … Was war schwierig? Es gab eine Phase, in der wir keine Mitarbeiter gefunden haben. Da war ich buchstäblich überall involviert – mischen, abfüllen, beraten und verkaufen. Heute haben wir ein gut aufgestelltes Mitarbeiterteam in allen Läden und Arbeitsbereichen.
Und erfreulich? Gutes Kundenfeedback ist immer schön. Am schönsten ist es dann, wenn sich die Kunden im Laden gegenseitig beraten und austauschen. Das sind tolle Momente, wenn einander völlig fremde Menschen sich gegenseitig inspirieren und über das Thema Geschmack zusammenfinden.
Letzte, angesichts der Fülle in Ihren Läden sicher schwer zu beantwortende Frage: Wenn Sie mit nur drei Gewürzen auskommen müssten, welche wären das?
Andrea Rolshausen (antwortet sofort ohne jedes Zögern): Gar nicht schwer, das weiß ich sofort: Voatsiperifery-Pfeffer, Maldon-Meersalzflocken und Piment d’Espelette.