Kein konventioneller Laden, keine typischen Öffnungszeiten, kein beliebiges Sortiment: Innenarchitektin Isabel und Modedesignerin Caro etablieren in Starnberg ein völlig neues Format. In ihrem neuen Concept Room schaffen sie einen Ort, an dem individuelle Raumideen, besondere Fashion-Pieces und persönliche Beratung zusammenkommen. Statt generischem Angebot geht es hier um Inspiration, Entwicklung und das Entdecken dessen, was Menschen und Dinge besonders macht.
Isabel, Caro: Wie habt ihr euch kennengelernt - und wie wurde daraus die Idee eines gemeinsamen Concept Rooms?
Caro: Isabel war zunächst meine Kundin. Sie ist mir mit ihrer offenen, freundschaftlichen Art sofort aufgefallen. Anfangs hatten wir fast nur Mail- und Handykontakt, und daraus haben sich sehr schnell viele Berührungspunkte und Ideen für gemeinsame Projekte ergeben.
Isabel: Ja, wir haben erstaunlich viele Gemeinsamkeiten. Wir sind beide im gleichen Jahr nach Starnberg gezogen, haben jeweils drei Kinder in kurzer Zeit bekommen und teilen die Überzeugung, dass Stil nie beliebig sein sollte – weder in der Einrichtung noch im Kleiderschrank. Als ich hier nach Räumen gesucht habe, hatte ich im Hinterkopf, dass Caro für Lillis Closet ebenfalls etwas suchte. Also war die Idee, es gemeinsam anzugehen, naheliegend.
Viele würden Interior und Fashion als zwei getrennte Welten sehen. Was macht sie für euch zu einer stimmigen Kombination?
Isabel: Auf den ersten Blick wirkt das vielleicht ungewöhnlich. Tatsächlich geht es bei beidem um Persönlichkeit. Zu uns kommt man nicht, um einfach aus einem Sortiment zu shoppen. Für unsere Kunden entwickeln wir atmosphärische Konzepte und kuratieren dazu entsprechende Angebote. Der Concept Room bietet dafür den idealen Rahmen – hier können wir Pläne entwickeln, Materialien vergleichen und entspannt herausfinden, was Menschen und Räume wirklich ausmacht.
Caro: Genau da liegt unser gemeinsamer Kern – bei Isabel in der Innenarchitektur, bei mir in der Fashion. Ein guter Look funktioniert wie ein guter Raum oder ein gelungenes Bild: Es kommt auf die Komposition an. Unser Concept Room ist für mich vor allem ein Ort der Inspiration. Hier kann ich Kundinnen persönlich beraten, Looks zusammenstellen und Anprobetermine anbieten. Letztlich steht bei Isabel und mir dieselbe Frage im Mittelpunkt: Wie entsteht etwas Eigenständiges mit Charakter und Bestand?
Über Gemeinsamkeiten haben wir bereits gesprochen – worin unterscheidet und ergänzt ihr euch, was schätzt ihr aneinander?
Isabel: Natürlich bleiben bei zwei Alphatieren wie uns auch Auseinandersetzungen nicht aus. Aber wenn bei uns die Funken fliegen, entsteht durch diese Reibung am Ende immer etwas Besonderes. Caro sprüht vor Ideen und ist gleichzeitig superehrlich und loyal. Sie steht immer zu ihrem Wort – man kann sich hundertprozentig auf sie verlassen. Was ich außerdem an ihr bewundere, ist ihre Treffsicherheit. Sie erkennt sofort, was zu einem Menschen passt – zur Figur, zum Typ, zur Ausstrahlung. Wenn sie einen Look zusammenstellt, wirkt das nie konstruiert, sondern selbstverständlich. Es sieht nie künstlich aus. Für mich ist sie oft der beste, und manchmal auch der kritischste, Spiegel.
Caro: Unsere Männer verstehen manchmal gar nicht, wie intensiv wir uns auseinandersetzen können. Aber genau das macht uns aus – es geht uns beiden am Ende um die beste Lösung. Isabel ist eine der besten Vernetzerinnen, die ich kenne. Sie hat ein echtes Verbindungsgen und hat mir Türen geöffnet, ohne sofort etwas dafür zu erwarten. Das erlebt man heute nicht mehr oft. Außerdem hat sie eine entspannte, ruhige Art und gleichzeitig eine beeindruckende Klarheit. Sie kann Räume schon vom Grundriss her fertig denken, während ein Raumplan für mich ein Buch mit sieben Siegeln ist. Dafür entstehen meine Ideen sehr intuitiv, und ich entwickle Looks oft über Fotokompositionen und Bildwelten. Anfangs wusste ich noch gar nicht, wie erfolgreich Isabel beruflich ist. Mein Bauchgefühl hatte aber längst Ja zu ihr gesagt.
Isabel, wenn du einen Raum betrittst, der neu gestaltet werden soll – was passiert zuerst in deinem Kopf?
Isabel: Wenn ich einen Raum gestalte, denke ich nicht zuerst an Möbel oder Materialien, sondern an die Menschen, die darin leben oder arbeiten. Ich will verstehen, wie sie ticken, was sie mögen, was ihnen guttut. Um welche Werte und Bedürfnisse geht es, welche Funktionen hat der Raum und wie soll er sich anfühlen? Licht, Haptik und Atmosphäre – all das spielt eine Rolle. Ob ein Hotel in Dubai oder ein privates Zuhause: Ein Raum dient immer dem Menschen. Fertig ist er für mich erst dann, wenn Zweck, Sinn und Gestaltung eine natürliche Einheit bilden.
Caro, was fasziniert dich an Vintage-Mode – und wie ist daraus dein heutiges Lillis-Closet-Konzept entstanden?
Caro: Vintage ist für mich ein Lebensgefühl. Die Schnitte, die Materialien, die Verarbeitung – das hat eine Qualität, die man in der Fast Fashion kaum noch findet. Die Stücke lassen sich immer wieder in neuen unverwechselbaren Looks inszenieren. Das ist wesentlich individueller, nachhaltiger und zeitgemäßer als das bloße Nachstylen gerade angesagter Trends. Die Leidenschaft dafür begleitet mich eigentlich schon mein ganzes Leben. Vor rund zehn Jahren habe ich auf Facebook die Gruppe „Schöne Sachen, die glücklich machen“ gestartet. Der Gedanke war, großartige Stücke aus dem eigenen Kleiderschrank weiterzugeben oder bei anderen zu entdecken – unkompliziertes Kaufen und Verkaufen unter Freunden, nicht kommerziell und gebührenfrei. Daraus – und aus einem Paar Chloé-Boots (aber das ist eine andere Geschichte) – hat sich mein heutiges Konzept ganz ohne Kredit oder großes Startkapital organisch entwickelt. Ich stelle individuelle Looks zusammen und präsentiere sie bei Lillis Closet auf Instagram. Jetzt kann ich zusätzlich auch persönliche Termine und individuelle Beratung anbieten.
Der Concept Room ist gleichzeitig Showroom, sowohl für Isabels Stein-, Stoff- und Materialmuster als auch für Caros ausgesuchte Vintage-Pieces. Habt ihr noch weitere Zukunftsideen für den Raum?
Isabel: Mit dem Format „Concept Room“ schaffen wir ja gerade erst etwas, das es in Starnberg bisher noch nicht gab. Das darf sich nun erst einmal entfalten. Aber schon jetzt bietet es uns den inspirierenden Freiraum, den wir uns gewünscht haben. Gleichzeitig eröffnet es Möglichkeiten für kreative Begegnungen, kleine Veranstaltungen oder Workshops. Der Raum soll wachsen dürfen – gemeinsam mit den Menschen, die ihn nutzen.
Caro: Genau das macht für mich den Reiz aus. Zu viel Plan lässt oft zu wenig Platz für Neues und für Weiterentwicklung. Wir haben beide ständig neue Ideen und lieben es, Menschen zusammenzubringen. Der Concept Room ist kein statisches Konzept, sondern eher der Anfang einer Entwicklung. Die Möglichkeiten sind viel größer als der Raum selbst, und wer uns kennt, weiß: An Ideen wird es uns sicher nicht fehlen.
Background-Infos zu Isabel & Caro
Isabel von Staudt | IVS - interior concepts
Isabel von Staudt studierte Innenarchitektur an der TH Rosenheim und vertiefte ihre Ausbildung mit einem Master-Schwerpunkt in Produkt. Weitere Impulse sammelte sie in New York und Zürich, bevor sie direkt ins Berufsleben einstieg. Heute entwickelt sie mit IVS - interior concepts individuelle Raumkonzepte, die Architektur, Materialien und Persönlichkeit zu einem stimmigen Ganzen verbinden – immer mit dem Ziel, Räume mit eigenem Charakter und besonderer Atmosphäre zu schaffen.
Carolin Voglmaier | Lillis Closet
Carolin Voglmaier studierte Modedesign an der ESMOD München und arbeitete anschließend für die renommierte Modeagentur Klauser sowie beim Weltmarktführer Medi, wo sie Mode und medizinische Kompression zusammenbrachte. Aus ihrer Leidenschaft für besondere Vintage-Stücke entstand vor rund zehn Jahren die Community „Schöne Sachen, die glücklich machen“. Heute kuratiert sie auf ihrem Instagram Account Lillis Closet individuelle Vintage- und Signature-Pieces mit einem feinen Gespür für Stil, Persönlichkeit und zeitlose Qualität - zum Shoppen per DM.