Auf die Umsetzung kommt es an
2023 wurde Ludwig Horn mit über 63 Prozent zum Bürgermeister in Tutzing gewählt. Bei den diesjährigen Wahlen wurde er mit über 93 Prozent wiedergewählt. Was führt in Zeiten, in denen gefühlt alles weniger wird, zu diesem Mehr an Zustimmung?
Bemerkenswerterweise zog sich die 93-prozentige Zustimmung quer durch alle Altersgruppen. Was macht Sie zu einem All-Generationen-Bürgermeister?
Schwere Frage. Es kommt wohl darauf an, wie man das Amt als Bürgermeister versteht. Wie kann ich für alle ansprechbar sein und alle ansprechen? Ich nutze dazu alle Kanäle – Social Media, Newsletter, das persönliche Gespräch. Ich bemühe mich qua meiner Aufgabe als Bürgermeister, für alle Verständnis aufzubringen.Nimmt man die Interessen aller Menschen ernst, ist das Alter zweitrangig, und vieles betrifft ohnehin mehrere Altersgruppen. Bei der Barrierefreiheit geht es beispielsweise um den Rollator genauso wie um den Kinderwagen. Entscheidend ist dabei, nicht nur zuzuhören, sondern auch umzusetzen.
Welcher Ihrer beiden Wahlsiege hat Sie mehr bewegt – der von 2023 oder der jetzige?
Der erste Wahlsieg war natürlich eine Überraschung und so nicht vorhersehbar. Das war ein ganz besonderer Moment, weil er meinen persönlichen Lebensweg verändert hat. Aber auch das jetzige Wahlergebnis ist für mich keineswegs selbstverständlich. Selbst wenn ich der einzige Kandidat war, brauchte ich über 50 Prozent der Stimmen. Jede Wahl ist eine Wahl und nicht einfach ein Spaziergang.
Bereits in Ihrer ersten Amtszeit gab es einige Herausforderungen, etwa die umfangreichen Straßenbaumaßnahmen – trotzdem blieb der große Unmut aus.
Ach, Dynamik war in dem Thema schon. Aber es stimmt, es gab keine riesigen Empörungen. Wir haben versucht, bei Problemen immer ansprechbar zu sein. Ich war regelmäßig auf Baustellenbesichtigungen und habe mir vor Ort das Fachwissen der Ingenieure geholt. Ich wollte so tief im Thema sein, dass ich Entscheidungen mit Sachverstand vertreten und erklären konnte, warum passiert, was passiert. Und ich war dabei nicht allein: Die Mitarbeiter haben viel aufgenommen und abgefangen. Insgesamt konnten wir so Verständnis schaffen.
Was hat Sie als frischer Bürgermeister überrascht? Womit hätten Sie in Ihrer ersten Amtsperiode nicht gerechnet?
Ich fand immer wieder spannend, wie wichtig Personalthemen sind. Wo viele Menschen zusammenarbeiten, geht es eben auch um Zwischenmenschliches. Wenn man Probleme löst und die Zusammenarbeit besser funktioniert, ist das sehr schön. Das Ausmaß habe ich allerdings unterschätzt.Das Zweite ist das Thema Finanzen. Wir hatten wirklich große Defizite und mussten viele Dinge detailliert aufarbeiten. Dass das so viel Zeit in Anspruch nehmen würde, hatte ich nicht erwartet – aber das war der Situation geschuldet.
Die Probleme der Gemeinden rund um den See ähneln sich: knappe Kassen, Verkehr, Bürokratie. Gibt es gemeinsame Lösungsansätze?
Dafür haben wir bereits ein sehr gutes Beispiel: Alle Bürgermeister am Starnberger See haben sich schon vor vielen Jahren in einem Abwasserverband zusammengeschlossen. Das funktioniert sehr erfolgreich und bringt uns regelmäßig an einen Tisch.
Das zeigt, wie man gemeinsam vorankommen und gleichzeitig Geld sparen kann. Ähnlich ist es beim 17er Oberland, bei dem wir Mitgesellschafter geworden sind und damit quasi eine eigene Stromgesellschaft haben. Hinzu kommt der IT-Zusammenschluss über die ZIO.
Das sind Beispiele für themenorientierte Allianzen, bei denen wir durch Wissens- und Kompetenzbündelung gemeinsam weiterkommen und Kosten sparen.
Apropos Lösungen: Kann die Bundespolitik von der Kommunalpolitik etwas lernen?
Ich glaube, was in der Kommunalpolitik gut funktioniert, ist, dass man über Parteigrenzen hinweg ehrlich nach Lösungen sucht und diese auch umsetzt. Dazu kommt ein gewisser Pragmatismus. An der Basis sind wir oft pragmatischer, weil wir die Dinge tatsächlich umsetzen müssen. In der Bundespolitik fehlt häufig diese unmittelbare Umsetzungsnotwendigkeit. Vor Ort reicht Theorie allein nicht aus. Wir müssen dafür sorgen, dass ein gedachtes Konstrukt auch in der Wirklichkeit ankommt und tatsächlich für die Menschen funktioniert.
Kleine Zukunftsvision: Was würden Sie am Ende Ihrer zweiten Amtsperiode gerne sagen können?
Ich würde gern sagen können, dass wir finanziell stabil sind, dass wir die großen Projekte, die derzeit laufen, erfolgreich abgeschlossen haben und dass wir das mir besonders am Herzen liegende Projekt Feuerwehrhaus auf den Weg gebracht haben. Dann kann man sich neuen Themen widmen.
Dann gibt es vielleicht 95 Prozent bei der nächsten Wahl ...
Ludwig Horn lacht: Das wird sich zeigen. Vorher muss ich erst einmal sechs Jahre gute Arbeit leisten.
Eine letzte Frage: Momentan wird anlässlich der Fischerhochzeit überall restauriert, gerichtet und verschönert – alles unter Ihrer Federführung?
Nein, das kommt ganz von allein. Das ist Tutzinger DNA, das steckt in den Menschen. Die Fischerhochzeit ist etwas ganz Besonderes, eine Wurzel unserer Gemeinde. Es gibt sie seit fast 100 Jahren. Da gibt jeder sein Bestes – das ist ein unausgesprochenes Übereinkommen.